Hegegemeinschaft Sikawild Weserbergland
Satzung der Sika Hegegemeinschaft Weserbergland



Präambel

Im Herbst 1933 ließ Freiherr von Wolff-Metternich ein ca. 100 Morgen großes Gatter im „Unteren Lau“ zwischen Wehrden und Amelunxen errichten. Im November des gleichen Jahres setzte er einen Hirsch, ein Alttier und ein Schmaltier sowie im Januar des darauffolgenden Jahres ein weiteres Alttier aus, welche er zuvor von Carl Hagenbeck, Altona-Stellingen geliefert bekam.

Im Jahr 1945 feuerten Soldaten des Besatzungsarmee mit Maschinenwaffen auf das im Gatter befindliche Wild. Aus diesem Grund ließ der damalige Besitzer Philipp Freiherr von Wolff-Metternich das Gatter entfernen. Zu diesem Zeitpunkt war der Bestand auf 35-45 Stück angewachsen. Damit war der Grundstein für das Sikawildvorkommen im Kreis Höxter gelegt.

Obwohl das Sikawild keine Ursprungsart für den Beverunger Raum darstellt, hat sich diese Hirschform in der Gemarkung Beverungen und den angrenzenden Regionen in das Beziehungsgefüge der abiotischen und biotischen Faktoren integriert.

Das Sikawild ist nach seinem Aussetzen in die freie Wildbahn trotz seiner asiatischen Herkunft fester Bestandteil der einheimischen Schalenwildarten geworden. Seine Morphologie und Physiologie weisen das im Bereich der Sikawildhegegemeinschaft „Weserbergland“ vorkommende Sikawild als Cervus nippon hortulorum aus. Dabei erzielt diese Hirschform in ihrer Physiognomie und Morphologie eine Stärke, die der des Ursprungsgebietes entspricht. Insofern zählt dieses Sikawildvorkommen zu einem der bedeutendsten in Europa, zumal Formen des Rassenkreises Cervus nippon hortulorum lediglich in Einzelexemplaren oder überhaupt nicht in Europa auftreten.

Mit einem Bestand von rund 100 Exemplaren war es in der Lage, sich den standörtlichen Gegebenheiten anzupassen bzw. hat sich wegen der annähernd ähnlichen abiotischen Struktur seines Herkunftsgebietes in der Region der Sikahegegemeinschaft behaupten und fortpflanzen können. Dabei zeigt diese Hirschform art- bzw. rassentypische Verhaltensweisen, die es bei einer Erhaltung und Förderung dieser Spezies zu berücksichtigen gilt.















SATZUNG

§ 1

NAME, SITZ, RECHTSFORM

1. Die Vereinigung trägt den Namen „Sikahegegemeinschaft Weserbergland“ im Bereich des Bewirtschaftungsbezirks.

2. Sie ist eine Hegegemeinschaft im Sinne des § 10a BJG und des § 8 LJG-NW. Sie hat ihren Sitz in Beverungen.

3. Die Vereinigung wird nicht in das Vereinsregister eingetragen.


§ 2
Zweck und Aufgaben

1. Ziel der Sikahegegemeinschaft ist es, eine in ihrem Bestand sehr gefährdete Tierart zu erhalten. Aus diesem Grund ist die vorrangige Aufgabe der Sikawildhege im Bereich der Gemarkung Beverungen, den Bestand zu sichern und zu fördern, aber auch im Rahmen der ökologisch und waldbaulich vertretbaren Wilddichte zu regulieren.

2. Das Vorkommen eines Sikawildbestandes im Bereich der Beverunger Gemarkung stellt für diesen Naturraum eine Tierart dar, die sich in das biotische Gefüge einbindet, ohne andere, ursprüngliche Tierarten zu verdrängen. Somit ist diese Wildart als Bestandteil der bestehenden Faunenvielfalt zu bewerten.

3. Entsprechend der Anmerkung in der Präambel sowie der Lokalagenda 21 wird die auf der Gemarkung Beverungen lebende Unterart des Sikawildes- Cervus nippon hortulorum – als eine selten gewordene, in ihrem Ursprungsland stark gefährdete Tierart charakterisiert. Schon allein im Interesse der Erhaltung des Genpools dieser Hirschform ist es im übergeordneten Sinne angebracht und somit als Auftrag der ansässigen Jägerschaft zu bewerten, sich um die Erhaltung dieser Subspezies zu bemühen.

4. Danach liegt der Zweck der Vereinigung in der gemeinsamen Hege des Sikawildes im Sinne des § 1 Abs. 2 BJG.

5. Diese Tierart gilt nach dem Bundes- und Jagdgesetz als jagdbare Wildart und ist daher nach den Richtlinien der Gesetzgebung zu behandeln.

6. Durch Beschluss der Mitgliederversammlung können Einschränkungen gegenüber den landesrechtlichen Abschussrichtlinien mit dem Ziel festgelegt werden, einen sozial gut strukturierten, den wildbiologischen Erfordernissen entsprechenden Sikawildbestand aufzubauen und zu erhalten.

7. Das Hegeziel im Sinne der Verwirklichung einer dem Landschaftspotenzial entsprechenden tragbaren Wilddichte sowie eines angemessenen Geschlechterverhältnisses soll erreicht werden durch:


7.1. gemeinsame Ermittlung des Wildbestandes
7.2. Aufstellung eines Gesamtabschusses für das Gebiet der Sikahegegemeinschaft
7.3. Abstimmung der Abschusspläne für die einzelnen Reviere
7.4. Erfassung der Strecke nach Anzahl, Alter und Geschlecht
7.5. Überwachung der Durchführung des Abschusses, insbesondere durch den körperlichen Nachweis
7.6. Durchführung einer jährlichen Hegeschau
7.7. Entwicklung von Konzepten zur Verbesserung des Lebensraumes, insbesondere der Äsungsverhältnisse
7.8. Einhaltung der Fütterungsverordnung entsprechend der gesetzlichen Rahmenbedingungen
7.9. Berücksichtigung der in der Lokalagenda 21 beschlossenen Richtlinien
7.10 Förderung der Zusammenarbeit zwischen der Jägerschaft und den
Grundeigentümerinnen und den Grundeigentümern im Bewirtschaftungsbezirk
7.11 Zusammenarbeit mit der Internationalen Gesellschaft Sikawild
7.12 Unterstützung jagdwissenschaftliche Forschungsprojekte


§ 3
Mitgliedschaft

1. Mitglied der „Sikahegegemeinschaft Weserbergland kann jeder waidgerechte Jäger und Förderer des Sikawildes sein.

2. Der Vereinigung gehören ordentliche und fördernde Mitglieder an. Ordentliche Mitglieder können die Jagdausübungsberechtigten der Reviere innerhalb des Bewirtschaftungsbezirks werden. Alle anderen Mitglieder sind fördernde Mitglieder.

3. Die Mitgliedschaft wird erworben durch die Unterzeichnung der Gründungsurkunde oder durch späteren Beitritt. Der Beitritt ist beim Vorstand schriftlich zu beantragen. Über die Aufnahme oder Ablehnung entscheidet die Mitgliederversammlung.

4. Auf Vorschlag des Vorstandes können auf der Mitgliederversammlung Ehrenmitglieder und Ehrenvorsitzende ernannt werden.


§ 4
AUSSCHEIDEN

1. Die ordentliche und fördernde Mitgliedschaft enden mit dem Tod des Mitglieds sowie durch die Kündigung oder durch Ausschluss. Die ordentliche Mitgliedschaft endet außerdem zu dem Zeitpunkt, in dem das Jagdausübungsrecht des Mitglieds erlischt.
2. Die Kündigung ist schriftlich gegenüber dem Vorstand zu erklären, Sie ist nur mit einer Frist von drei Monaten zum Ablauf des Geschäftsjahres möglich.

3. Über den Ausschluss von Mitgliedern entscheidet die Mitgliederversammlung. ein Mitglied kann ausgeschlossen werden wenn:
- ihm der Jagschein unanfechtbar versagt oder entzogen worden ist
- es schwer oder wiederholt gegen die satzungsmäßigen Ziele verstoßen hat.
Vor der Entscheidung muss dem Mitglied Gelegenheit zur mündlichen oder schriftlichen Stellungnahme gegeben werden.

4. Über die Wiederaufnahme eines ausgeschlossenen Mitglieds entscheidet die Mitgliederversammlung.


§ 5
ORGANE

Die Vereinigung hat folgende Organe:
- Vorstand
- Mitgliederversammlung

§ 6
VORSTAND

1. Der Vorstand besteht aus:
- der oder dem Vorsitzenden
- der oder dem zweiten Vorsitzenden
- der Schriftführerin oder dem Schriftführer
- der Kassenführerin oder dem Kassenführer

2. Die Mitglieder des Vorstandes werden alle vier Jahre aus den Reihen der Mitglieder gewählt. Sie üben ihre Tätigkeit ehrenamtlich aus. Ihnen können auf Antrag die notwendig entstandenen Kosten und Auslagen erstattet werden.

3. Die Aufgaben des Vorstandes bestehen in:
3.1. der Vertretung der Vereinigung
3.2. der Erledigung der laufenden Geschäfte,
3.3. der Durchführung der Beschlüsse der Mitgliederversammlung
3.4. der sorgfältigen Verwendung der Finanzmittel,
3.5. der Erarbeitung des Rahmenabschussplanes für den Bewirtschaftungsbezirk unter Beteiligung der Unteren Jagdbehörde,
3.6. allen Aufgaben, die nicht ausdrücklich anderen Organen vorbehalten sind.

4. Der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Höxter e.V. sowie des Hegerings Beverungen ist zu
den Sitzungen der Mitglieder einzuladen.

5. Der Vorstand kann Verpflichtungen für die Vereinigung nur in der Weise übernehmen,
dass die Haftung der Mitglieder auf das Vereinsvermögen beschränkt ist.

6. Der Vorsitzende oder sein Stellvertreter vertritt die Vereinigung nach außen

7. Beschlüsse des Vorstandes erfolgen mit einfacher Mehrheit. Bei Stimmengleichheit ist die
Stimme des Vorsitzenden entscheidend.


§ 7
MITGLIEDERVERSAMMLUNG

1. Die Mitgliederversammlung ist durch den Vorsitzenden oder seinen Stellvertreter mindestens einmal im Geschäftsjahr oder sonst auf schriftlichen Antrag von mindestens einem Drittel der Mitglieder mit einer Ladungsfrist von zwei Wochen schriftlich einzuberufen.

2. Die Mitgliederversammlung beschließt über:
2.1. Wahl, Abberufung und Entlastung des Vorstandes
2.2. Wahl der Kassenprüferinnen oder Kassenprüfer,
2.3. Änderung der Satzung,
2.4. Festsetzung von Mitgliedsbeiträgen,
2.5. Erhebung von Umlagen,
2.6. Aufstellung des Gesamtabschusses,
2.7. Empfehlung zur Abschussdurchführung,
2.8. Konzepte zur Bejagung, Lebensraumverbesserung und Fütterung,
2.9. Aufnahme und Ausschluss von Mitgliedern in den satzungsgemäß bestimmten Fällen,
2.10Auflösung der Vereinigung sowie einzelne Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung, die sie sich in ihrer Beschlussfassung vorbehalten hat.

3. Die Mitgliederversammlung wird von der oder dem Vorsitzenden oder von der oder dem stellvertretenden Vorsitzenden geleitet. Sie ist beschlussfähig, wenn mehr als die Hälfte der ordentlichen Mitglieder anwesend oder vertreten und somit die Hälfte der beteiligten Reviere repräsentiert ist. Im Falle der Beschlussunfähigkeit kann die oder der Vorsitzende die Versammlung schließen und sofort eine neuen Versammlung einberufen, die ohne Rücksicht auf die anwesenden oder vertretenen Stimmen beschlussfähig ist.

4. Jedes ordentliche Mitglied hat ein Stimmrecht, das mit der Fläche seines Jagdbezirks ( anrechenbare Jagdfläche ) berechnet wird. Jedes Revier erhält mindestens eine Stimme. Die Zahl der je Jagdbezirk zur Verfügung stehenden Stimmen ergibt sich aus der Reviergröße. Die Waldfläche in Hektar durch 50 und die Feldfläche in Hektar durch 400 dividiert, ergibt die entsprechende Stimmzahl nach folgender Formel:

Waldfläche in ha        Feldfläche in ha
-------------------    +   ------------------- = Stimmen (kaufm. auf oder abgerundet)
          50                         400
5. Jedes fördernde Mitglied hat eine Stimme.

6. Jedes stimmberechtigte Mitglied kann sich durch ein ordentliches oder förderndes Mitglied vertreten lassen. Die Vertretungsvollmacht bedarf der Schriftform und ist der Versammlungsleiterin oder dem Versammlungsleiter vor Eintritt in die Tagesordnung vorzulegen.

7. Bei Abstimmungen entscheidet die einfache Mehrheit der gültigen anwesenden und vertretenen Stimmen. Für Satzungsänderungen ist die absolute Mehrheit der Stimmen erforderlich. Die Auflösung der Vereinigung kann nur durch eine Dreiviertel Mehrheit der Stimmen beschlossen werden.

8. Über den wesentlichen Hergang und die Beschlüssen der Mitgliederversammlung ist eine Niederschrift anzufertigen, der eine Anwesenheitsliste beizufügen ist.


§ 8
WIRTSCHAFTSFÜHRUNG

1. Geschäftsjahr und Haushaltsjahr ist das Jagdjahr.

2. Zur Bestreitung der notwendigen Kosten kann von den ordentlichen und fördernden Mitgliedern ein jährlicher Betrag erhoben werden. Für die Durchführung besonderer Vorhaben können von den Mitgliedern zweckgebundene Umlagen erhoben werden.

3. Die Ausgaben der Sikahegegemeinschaft zur Erfüllung ihrer satzungsgemäßen Aufgaben sind auf notwendige Sachausgaben zu beschränken. Der Vorstand darf Zahlungsverpflichtungen nur eingehen, soweit hierfür Deckungsmittel im Haushaltsjahr vorgesehen sind. Ausgaben dürfen außer zur Erfüllung rechtmäßig begründeter Ansprüche nur geleistet werden, wenn die benötigten Kassenmittel tatsächlich verfügbar sind.

4. Die Mitgliederversammlung wählt jährlich im Voraus zwei Kassenprüferinnen oder Kassenprüfer, die die Einnahmen und Ausgaben prüfen. Sie berichten über das Ergebnis der Prüfung vor der Beschlussfassung über die Entlastung des Vorstandes.



§ 9
AUFLÖSUNG

Nach dem Beschluss über die Auflösung der Sikahegegemeinschaft führt der Vorstand die Liquidation durch. Das nach Durchführung der Liquidation verbleibende Restvermögen ist gemäß Beschluss der Mitgliederversammlung an den Hegering Beverungen e.V. zu übertragen.


§ 10
SCHLUSSBESTIMMUNGEN

1. Die Satzung tritt mit der Unterzeichnung durch die Gründungsmitglieder in Kraft

2. Erfüllungsort und Gerichtsstand für alle Angelegenheiten aus oder aufgrund dieser Satzung ist der Sitz der Sikahegegemeinschaft.

3. Der Vorstand wird ermächtigt, die Satzung in geeigneter Form bekannt zu machen.